Sonntag, August 06, 2017

Es ist bekannt


Es ist bekannt, dass diese Welt sich schon seit tausenden von Jahren
vor dem Untergang befindet, und zwar nur immer wieder knapp,
dann wirds noch knapper und jetzt (und Jetzt ist immer) wirds am knappsten,
daran vorbei geschrappt, dann folgt die nächste Strophe,
die aller-aller-allergrößte Katastrophe, begleitet von der passenden Musik,
in Film gegossen, ausgemalt und von der passgenauen Literatur begleitet
schreitet eine tumbe Menschenmasse in den menschgemachten Exitus,
das muss so sein, weil sonst kein Schwein den Endzeitschluss mehr gelten ließe,
so gieße man mehr Feuer auf das Öl und schließe das Kapitel.

Freitag, Juli 21, 2017

Können, dürfen, sollen


Natürlich kann sich eine Situation wie 2015 nicht wiederholen, da inzwischen die Balkanroute dicht ist. Sie darf sich auch nicht so wiederholen, da die Bilder zigtausender Einmarschierender doch zu negativ besetzt sind. Sie soll sich auch nicht so wiederholen, weil die Kanzlerin es so nicht mehr will. Sie wird sich aber wiederholen, weil es keine Obergrenze gibt, die nächste humanitäre Katastrophe über See ins Haus geholt wurde, der nächste Notstand droht, Deutschland in den Wechseljahren schädliche, übereilte und unvernünftige Entscheidungen für nützlich, bedächtig und vernünftig halten soll und, da alternativlos, halten muss.
Was könnte, sollte, dürfte man in solcher Situation tun? Aufgeben, verzweifeln, sich anpassen?
Gandhi, Thoreau, Martin Luther King Jr, waren anderer Meinung. Ziviler Ungehorsam ist auch im Nannystaat möglich, Phantasie und Bereitschaft zur Inkaufnahme von Nachteilen vorausgesetzt.

Montag, Mai 29, 2017

Der Justizminister hat uns ein Buch geschenkt


Aufducken statt wegstehen, hier spielt ein Autor mit anscheinbar unvereinbarlichen Widersprüchlichkeiten und löst selbige in weißen Nebel auf, indem er das unabdingliche in eine Selbstnotwendigkeit transportiert, aufgrund derer den Leser eine Klarheit überkommt, welche dieser aus eigener Leistung nicht hätte erbringen können wegen der ihm innewohnenden biologischen Beschränkungen, welchselbige ihn davon abzuhalten in der Lage sind zu erkennen, warum autoritäre Machenschaften stets auf dem Weg sind zur Errichtung einer autoritären Machenschaft, obwohl, sie sind ja gut gemeint. Denn in die Zukunft ziehn wir Mann für Mann.

Donnerstag, Mai 25, 2017

Ein Anfang ist gemacht


Ein Selfie noch beim Untergang,
während die Richter Regeln erbrechen,
reitet der Präsident auf einem toten Tiger
in ein leeres Parlament, das weiss,
wann es zu stehen hat und wie zu fallen,
fährt Zug um Zug ein von Verkehrsexperten
sanft gelenkt vor eine Mauer,
die Stein auf Stein ersteht
für die staunenden Augen einer abwesenden Bevölkerung,
die längst nicht mehr länger hier lebt
als keine andere vor ihr.
Es ging ihr nicht zu gut genug.

Doch keine Angst, der Anfang ist gemacht,
es stehet Wacht eine Armada aus Zauberern,
Zauderern, Hexen und Verhexten,
Zombies, Wiedergängern und Vampiren,
Golems mit verlängerten Aufenthaltspapieren,
Superhelden mit Fähigkeiten,
Wünschelrutengängern, die Grenzen beschreiten,
Besprechern, Versprechern und allerlei Gestalten,
die ungeahnte Möglichkeit entfalten,
Werwölfen, Werfeen, Elfen und Trollen,
die alle nur unser Bestes wollen.
Wer jetzt noch untot ist, der lacht.

Donnerstag, Mai 18, 2017

Relativ grenzenlos


Da es keine Afrikaner gibt, kommen keine Afrikaner
in ein Deutschland, das es gar nicht gibt, da keine Syrer kommen,
die es gar nicht gibt in ein Europa, das es gar nicht gibt 
in einer Welt, die es gar nicht gibt, gibt es weder Bäume
noch Büsche als biologisches Konstrukt sind das nur Pflanzen
und alle tanzen Heiteitei.

Sonntag, April 16, 2017

Türkischer Frühling



Die Tulpe blüht, sie sprüht den Garten voller Farben,
der Beinwell steht ihr bei und auch das Lungenkraut
traut sich, die ersten Blüten auszupacken,
der Rhododendron plustert seine Backen,
die Azalee in der Nähe weißt sich ein,
Bescheidenheit ist blauer Veilchen Zier.
Und während alle Pflanzen wachsen, blühen, sprossen,
wird fern in der Türkei die Todesstrafe neu beschlossen.


Donnerstag, März 16, 2017

Wir wollen das



Die Befugten haben beschieden,
dass die Unbefugten sich zu bescheiden haben,
da das Unvermeidliche nicht länger mehr vermieden werden kann.
Denn schließlich ist ein Land auch nur ein Konstrukt,
das, so man will, dekonstruierbar ist.
Und man will. Die Welt sei uns ein Wunschkonzert
und wünschenswert ist nur ein Wert.
Den Anempfohlenen empfehlen die Befehliger,
sich den Empfehlungen freiwillig anzuschließen,
da sie sich ansonsten aus freiem Willen
und aus dem Willen, frei zu sein,
gemeinsam gegenseitig selbst erschießen dürfen.

Mittwoch, März 01, 2017

Der ewige Kindergarten


Auf dem Bauteppich kommt es immer wieder zu Streit,
der Klötzchenwart sei ungerecht, so tönen die Rebellen
und die Rabauken von der Rutsche
und die Schurken von der Schaukel
planen einen Aufstand im Gebüsch.
Schon brennen Schäufelchen und Harke,
die Erzieher haben nicht mal keine Ahnung,
woher das irgendwie nicht kommen mag.

Ein Haufen Spielzeug, kurz und klein gehauen,
dient als Barrikade. Vom Klettergerüst
ruft der Ausguck: "Alle in die Bobbycars,
der Feind ist da!", und mit dem Aufschrei
"Wir sind die Liebewichte!
Wer das nicht glaubt, den hauen wir zu Klump!",
macht sich die Formation bereit zum Ausbruch
aus dem umfriedeten Gelände.

Samstag, Februar 04, 2017

Das Geld hat den Verstand verloren


Das Geld hat den Verstand verloren,
wir stehen innerlich Gewehr bei Fuß.
Der Heiland ist uns tot geboren,

die Welt hat sich und wir uns gegen sie verschworen.
Die letzten Freunde gehen ohne Gruß,
das Geld hat den Verstand verloren.

Der Most hat sich zu Jauche vergoren,
im Glas verfault das einstmals süße Mus.
Der Heiland ist uns tot geboren.

Gehört wird nur mit tauben Ohren,
auf einer Saite tönt der letzte Blues.
Das Geld hat den Verstand verloren.

Da kann, wer will, in dicke Bretter bohren
und schreibt im Internet abstrus.
Der Heiland ist uns tot geboren.

Jetzt feuert es aus allen Rohren,
die Städte fallen unter dem Beschuß durch Schmus.
Das Geld hat den Verstand verloren,
der Heiland ist uns tot geboren.


Donnerstag, Januar 12, 2017

Schritt weiter


Man muss den letzten Schritt nur selber schreiten,
im Abgrund lebt es sich gelassen.
Wem nutzt denn schon das permanente Streiten?

Man kann bequem aus den Diskursen gleiten,
wer will Gefühle wohl verletzen, wer will hassen?
Da heißt es stets voran zu schreiten,

auf dem bequemen Weg, dem breiten,
und selbst mit guten Karten soll man besser passen.
Wem nutzt denn schon das laute Streiten?

Im Strome, der begleicht, dem weiten,
der mit sich reißt die großen Massen,
da sollte man im Gleichschritt schreiten.

Und im Gefecht der vielen Eitelkeiten
sich in Gelassenheit verfassen.
Wer will sich denn in Ewigkeit verstreiten?

Mit denen, die uns in die Zukunft leiten,
uns führen durch die dunklen Gassen,
da sollte man final beschleunigt schreiten.
Man liebt dort oben nicht das permanente Streiten.

Montag, Januar 09, 2017

Mittwoch, Januar 04, 2017

Gedankenverschmutzung


In Wahrheit, lehrt uns Herr Minister,
geht es darum: Haltet die Gedanken reine.
Denn der falschen Denkungsart Geschwister
nennen wir Gedankenschweine.

Treiben wir sie auf und nieder
durch die Dörfer, immer wieder
und im Falle eines Falles
sind sie nichts, die andren alles.

Also geht euch die Gedanken putzen,
denn sie sind nicht grundlos frei.
Ihr dürft sie solang benutzen
wie ein Baby Babybrei.

Dienstag, Januar 03, 2017

2017


Ihr könnt das neue Jahr behalten,
es wird nicht besser als die alten.
Ich kann es bezeugen, war immer zugegen,
besser wirds? Von wegen.
Das Pulver ist zu Feinstaub verschossen,
der Sekt ist in den Lokus geflossen.
Ich halte die Wette, das neue wird schlimmer,
denn schlimmer als das alte geht immer.

Man sollte sein Blei, statt es zu gießen,
benutzen, das neue Jahr zu erschießen.

Freitag, Dezember 30, 2016

Letzte weiße Weihnacht


Die letzte Kerze neigt sich ihrem Ende zu,
sie schrumpft, ein wenig Stearin läuft
auf die nächste Nordmanntannennadel.
Die Flamme blakt nur kaum,
ein leiser Zug weht durch den Raum.
Jetzt fasst das bißchen Feuer sich ein Herz,
entflammt die Nadel, dann den Zweig,
den Ast, den Stamm und dann
Inferno in dem festlich fein geschmückten Zimmer.
Kein Wächter da und die Geschenke schmelzen schnell.

Donnerstag, Dezember 22, 2016

Planierrautenpolitik


Nach den Vorkommnissen in letzter und vor den Vorkommnissen in nächster Zeit fragt man sich: Was haben die Herrschenden an Vorteil von der gegenwärtigen Situation? Wem nutzt es, dass die Verhältnisse ins Wanken geraten? Wo ist das Geld?
Merkel hat gesagt, sie habe einen Plan. Diese Aussage hat sie bis jetzt nicht zurückgenommen. Nun könnte man sagen: Hat sie keinen Plan, bleibt es schlimm. Hat sie einen, wird es schlimmer.
Die RAF hatte den Plan, das System durch Attentate zu destabilisieren und einen Bürgerkrieg herbeizuführen, revolutionäre Zustände zu schaffen. Folge waren Verschärfungen der Notstandsgesetze, Rasterfahndung, verstärkte Überwachung. Ähnliche Pläne kann man auch den Genossen von rechts unterstellen, die sind jedoch selbst für sowas zu dämlich.
Solch eine "große Transformation" kann man aber auch von oben herbeiführen: Schaffen einer Krisensituation, Ausnahmeregelungen, Ausrufung des Notstands, Ermächtigungsgesetze, Abschaffung demokratischer Freiheiten, Etablierung einer Einheitspartei, Diktatur des guten Gewissens. Nach dem großen Knall folgt dann die Kehrwoche.
Ob die Merkelisti damit durchkommen? Es könnte an uns liegen.

Sonntag, Dezember 18, 2016

Morgenkreis





Jetzt setzen wir uns in den Morgenkreis
und reichen uns die Hände,
die jeder sich gewaschen hat nach dem Toilettengang
und singen den früh und froh und jubilierenden Gesang:
Wir wollen sie, wir können sie, wir schaffen sie, die Wende,
dann hat die Ungerechtigkeit ein Ende,
frohlocken werden Säugling, Teenager und Greis.

Und gerne zahlen wir den Preis
für unser Ende.

Mittwoch, November 30, 2016

Spiele


Ich spiele Memory mit einer Karte,
Schach ohne König,
Skat ohne Blatt,
und ich gewinne immer
oder bin Matt.
Egal, wir zählen ohne Zahl,
die Zahlen sollen sich erzählen,
was sie wollen.
Ich mach sie platt.

Freitag, November 18, 2016

Das Original ist die Fälschung der Kopie


Das Licht geht niemals aus im Amt für Anmaßung,
Befugte stempeln Unbefugte in ihr gutes Recht.
In Zumutungsräumen feilt man an gerechter Bespaßung,
auf der Holzwegsverwaltung pickt sich müde ein Specht.

Derweilen gehts rund im Relativierungsbüro,
man spielt dort eifrig "Geld versenken",
und fragt sich weshalb, wofür und wieso
sollte man den Schotter nicht verschenken?

Die Antwort liefert der Antwortminister:
Die Fragen sind falsch, sowieso -
er schüttet Benzin aus dem Antwortkanister.
Verbrenn, altes Rom und sei froh.

Die Staatssekretärin für schwierige Zeiten
wird uns auch hierdurch sicher begleiten.


Sonntag, November 13, 2016

Was tun


Verschwörungstheorien könnte man verlachen,
die bieten doch nur Raum zum Glauben.
Da könnte man, da sollte man, da würde man was machen.

Zum Beispiel einen Shitstorm zu entfachen
und einem Gläubigen den Glauben rauben.
Verschwörungstheoretiker sollte man verlachen.

Wer weiß, eventuell muss es mal wieder krachen,
man reißt den Granden vom ergrauten Schopf die Hauben.
Das könnte man, das sollte man, das müsste man mal wieder machen.

Und unterm Teppich liegen viele fortgefegte Sachen,
an denen hieße es zu schrauben.
Verschwörungstheoretiker sind immer auszulachen.

Man räuchert aus das Nest der Drachen,
es stellt sich raus: Das waren Tauben.
Was kann, was soll, was muss man jetzt noch machen?

Man nutze falsch betonte Sprachen,
zieht sich zurück in kaum beheizte Lauben.
Dort kann man die Verschwörungstheorien laut verlachen
und muß und soll und wird nichts machen.

Montag, November 07, 2016

Die Möglichkeit epochalen Scheiterns


Wir wären nicht die erste Gesellschaft, die ihre Zivilisation schrottete. Der Knall aber wäre 
unvergleichlich lauter.

Mittwoch, Oktober 26, 2016

Horrorclowns


Man hüte sich vor denen, die sich nicht erst verkleiden müssen, bevor sie auf die Straße gehen.

Montag, Oktober 03, 2016

Frau Medusa



Sie wankt mit ihrem leeren Einkaufswagen
von Lidl durch kaputte Straßen,
umfährt die Löcher im Asphalt und blickt
in blinde Fenster. Auf den Dächern, Ampeln,
sitzen Raben, die warten auf Gefallene
zum Abendmahl. Sie denkt an früher,
bessere Zeiten, bevor Banausen ihr Land versenkten.

Jetzt bekommen sie ein anderes Land
geschenkt. Na und? Das haben sie davon.
Auch wenn ihr Hosenanzug fadenscheinig wird, sitzt die Frisur
wie aus Beton gegossen
und im Takt zum Schlurfen ihrer Füße murmelt sie:
Wir schaffen das! Wir schaffen das!

Montag, September 19, 2016

Viertel vor nach



Im Amt für Amtsanmaßung herrscht heute Hochbetrieb bei Nacht,
die nächste Katastrophe wird passend gemacht
mit Herz und Hirn und mit Bedacht.

Man achtet streng auf Qualität, das Beste für das Land,
vermittelt das Ergebnis mit Gefühl und manchmal,
wenn es sein muss,
auch mit strenger Hand.

Also erfasst das Volk ein einiges Streben,
sich bedingungslos dem Guten, Wahren, Schönen hinzugeben:
So ist man besser vorbereitet auf kommende Beben.

Dann kommt, zu guter Letzt, der letzte Superheld,
verschenkt aus leeren Händen Supergeld.
Selbst wenn es echt ist, ist es falsch.
Es kostet nur die Welt.

Und wer jetzt meint, er müsste protestieren,
dem könnte etwa alternativlos etwas passieren.
Man sollte das von daher besser nicht probieren.